XQT
02.11.2026 | Mareike Weberink

Steigenden MD-Prüfquoten begegnen

Jeder zusätzliche Klick wird ab 2027 zu teuer sein

Mit den Änderungen rund um das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erhält ein Thema zusätzliche Brisanz, das bislang häufig im Medizincontrolling verortet wurde: die Vorbereitung auf steigende Prüfquoten des Medizinischen Dienstes. Was auf den ersten Blick wie eine operative Herausforderung wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Fragestellung für Geschäftsführung, Finanzverantwortliche und Klinikmanagement. Denn die Auswirkungen reichen weit über den eigentlichen Prüfprozess hinaus. Es geht um Liquidität, Erlössicherheit und die Fähigkeit eines Krankenhauses, erbrachte Leistungen vollständig und belastbar nachzuweisen. Wie dem begegnet werden kann, zeigen Michael Schott, DMI Experte für MD-Prozesse und Guido Bovekamp, Senior Solution Advisor XQT.
Was ab 2027 auf Krankenhäuser zukommt, bringt Guido Bovekamp knapp und klar auf den Punkt: „Die Prüfquoten werden angepasst. Selten nach unten, häufig nach oben.“ Gleichzeitig werden Prüfungen nicht nur häufiger, sondern auch umfassender. Der Dokumentations- und Nachweisbedarf steigt. Für Kliniken entstehe damit ein Spannungsfeld: Kostendruck und Fachkräftemangel treffen auf wachsende Anforderungen an Transparenz und Nachweisführung. Bovekamp benennt das Dilemma für Krankenhäuser und Kliniken: „Sie werden mit geringeren Erlösen auskommen müssen, sollen aber gleichzeitig ihre Prozesse verbessern und ihre Leistungen noch besser dokumentieren. Das sei, so Bovekamp, die Quadratur des Kreises.

Erlössicherung beginnt weit vor der Prüfung

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die finanzielle Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen. So der Ansatz dahinter. Für Krankenhäuser bedeutet das stärkere Wirtschaftlichkeitskontrollen, mehr Nachweispflichten und eine größere Bedeutung der Dokumentationsqualität. Dadurch wird die klinische Dokumentation zu einem unmittelbaren wirtschaftlichen Faktor. Erlössicherung beginnt nicht erst, wenn eine Prüfung ansteht, sondern bereits bei der Erfassung, Strukturierung und Verfügbarkeit von Informationen über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg. „Arbeitsbelastung und Rückforderungsrisiken werden steigen“, weiß Bovekamp. Viele Häuser stellten sich deshalb die Frage, wie steigende Prüfquoten kompensiert und Erlösverluste vermieden werden können.
Guido Bovekamp, Senior Solution Advisor XQT

Datensouveränität und Automatisierung als wirtschaftliche Faktoren

Genau hier setzt XQT, die Marke der DMI GROUP für Datensouveränität, an. Für Bovekamp ist Datensouveränität weit mehr als ein IT-Thema. Sie sei eine Voraussetzung für wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. „XQT steht für Exchange Qualified Trust“, erklärt er. Im Mittelpunkt stehe der sichere und kontrollierte Umgang mit Informationen über deren gesamten Lebenszyklus hinweg. Ziel sei es, Daten vertrauenswürdig bereitzustellen, systemübergreifend zu vernetzen und für konkrete Anwendungen nutzbar zu machen.

Eine Grundlage dafür bildet das Qualified Trust Repository (QTR), die sichere Datenplattform innerhalb der Trust-Ebene von XQT. Dokumente und Daten können dort unabhängig vom eingesetzten DMS bereitgestellt und über FHIR® standardisiert angebunden werden. Damit ergeben sich auch für den MD-Prozess weitere Möglichkeiten: Bewährte Abläufe und Erfahrungen aus der bestehenden MD-Portal-Anbindung lassen sich zunehmend auf die XQT-Plattform übertragen.

Besonders deutlich werde eben dieser Nutzen in den MD-Prozessen. „Einer unserer zentralen Anwendungsfälle ist die Erlösabsicherung“, sagt Bovekamp. Denn Medienbrüche, fehlende Informationen oder aufwendige Recherchen kosten nicht nur Zeit, sondern können unmittelbar Auswirkungen auf die Erlössituation haben.
Michael Schott, DMI Experte für MD-Prozesse

Der Engpass liegt selten im Dokument

Michael Schott beschäftigt sich seit Jahren mit der praktischen Umsetzung von MD-Prozessen in Krankenhäusern. Seine Erfahrung: Das Problem ist häufig nicht das einzelne Dokument, sondern dessen Verfügbarkeit. „Zunächst brauche ich alle relevanten Daten und Dokumente. Daran führt kein Weg vorbei“, erklärt Schott. Mindestens genauso wichtig sei jedoch, dass die Informationen schnell verfügbar und am richtigen Ort auffindbar sind.

Dabei formuliert er eine Erkenntnis, die viele Häuser bereits heute spüren: „Jeder zusätzliche Klick wird künftig zu teuer sein.“ Informationen müssten konsolidiert und möglichst in wenigen Systemen bereitstehen. Die eigentliche Optimierung beginne deshalb lange vor der MD-Prüfung.

Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen

Die Antwort darauf liegt in stärker automatisierten Prozessen. Ziel ist es, Dokumente automatisiert zusammenzuführen, Vollständigkeiten zu prüfen und Informationen strukturiert bereitzustellen. „Wir können den Automatisierungsgrad Ihrer MD-Akte erhöhen. Wir können Dokumentationslücken erkennen, Transparenz schaffen und diese Lücken zu einem guten Teil schließen“, beschreibt Bovekamp das Zielbild.

Schott erläutert die praktische Seite: Dokumente sollen automatisiert identifiziert und vorbereitet werden können, sodass schneller erkennbar wird, welche Informationen bereits vorliegen und wo noch Handlungsbedarf besteht. Die Verantwortung bleibt dabei bewusst beim Menschen. Automatisierung soll und kann unterstützen, nicht ersetzen. „Fachkräfte müssen ihre Zeit für die Bewertung von Fällen nutzen können und nicht für die Suche nach Informationen.“

Wirtschaftlichkeit, Prozessqualität und Datenmanagement wachsen zusammen

Steigende MD-Prüfquoten seien deshalb weit mehr als ein weiteres regulatorisches Detail. Bovekamp: „Sie zeigen, wie eng Wirtschaftlichkeit, Prozessqualität und Datenmanagement inzwischen miteinander verbunden sind.“ Und genau diese Verantwortung werde in den kommenden Jahren zunehmend zur Aufgabe des Krankenhausmanagements. Denn Erlössicherheit entscheide sich immer „weniger erst bei der Prüfung und immer stärker in den Prozessen davor“.

Auf einen Blick: Das ändert sich bei MD-Prüfungen

  • Höhere Prüfquoten: Krankenhäuser müssen sich auf deutlich mehr MD-Prüfungen einstellen. Je nach Dokumentations- und Kodierqualität kann sich die Zahl der Prüfungen erheblich erhöhen.
     
  • Umfassendere Prüfungen: Künftig stehen nicht mehr nur einzelne Aspekte eines Falls im Fokus. Der Medizinische Dienst kann deutlich breiter prüfen, was den Bedarf an vollständigen und belastbaren Nachweisen erhöht.
     
  • Mehr Druck auf Erlöse und Prozesse: Dokumentationsqualität, Verfügbarkeit von Unterlagen und fristgerechte Bereitstellung werden noch stärker zu wirtschaftlichen Faktoren. Fehlende oder verspätet bereitgestellte Informationen können direkte Auswirkungen auf die Erlössicherheit haben.
Bildnachweise: DMI GmbH & Co. KG

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