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24.08.2026 | Mareike Weberink

„Die ePA braucht Daten, die nutzbar sind – nicht nur übertragbar“

Interview mit Sebastian Hoffs, Team Lead Product Experts & Projects, DMI 

Sebastian Hoffs über Automatisierung, Interoperabilität und den Weg zur alltagstauglichen elektronischen Patientenakte.

Herr Hoffs, die elektronische Patientenakte ist inzwischen verpflichtend. Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung für Krankenhäuser?
Sebastian Hoffs: Die Herausforderung besteht nicht darin, irgendeine Verbindung zur ePA herzustellen. Die eigentliche Aufgabe ist, Daten und Dokumente aus den unterschiedlichsten Systemen strukturiert, standardisiert und möglichst automatisiert bereitzustellen. Viele Häuser können heute bereits Dokumente abrufen oder hochladen. Der entscheidende Schritt ist jedoch, diese Prozesse so zu gestalten, dass sie im Klinikalltag zuverlässig funktionieren und keinen zusätzlichen manuellen Aufwand verursachen.
Viele Einrichtungen befürchten zusätzliche Arbeitsbelastung. Muss jedes Dokument vor dem Upload manuell geprüft werden?
Hoffs: Das wäre auf Dauer kaum praktikabel. Deshalb braucht die ePA ein hohes Maß an Automatisierung. Gleichzeitig muss den Krankenhäusern die Möglichkeit bleiben, sensible Prozesse kontrolliert zu gestalten. In der Praxis sehen wir deshalb beide Modelle: teilautomatisierte Prozesse mit Freigabe und vollständig automatisierte Abläufe. Entscheidend ist, dass die Häuser selbst bestimmen können, welches Maß an Automatisierung zu ihren Prozessen passt.

Die Qualität der Daten entscheidet direkt über die Qualität der Prozesse.

Sebastina Hoffs
Welche Rolle spielen dabei Dokumentenklassifizierung und Metadaten?
Hoffs: Eine zentrale. Automatisierung funktioniert nur dann zuverlässig, wenn das System weiß, um welche Art von Dokument es sich handelt. Dokumententypen, Metadaten und standardisierte Klassifizierungen schaffen die Grundlage dafür, dass Dokumente korrekt verarbeitet, kategorisiert und letztlich auch an die ePA übergeben werden können. Die Qualität der Daten entscheidet damit direkt über die Qualität der Prozesse.
Wie lassen sich sensible Informationen in einem automatisierten Prozess sicher steuern?
Hoffs: Dafür gibt es verschiedene Regelmechanismen. Dokumententypen können gezielt ein- oder ausgeschlossen werden. Auch bestimmte Fachbereiche lassen sich bei Bedarf von einer automatischen Übertragung ausnehmen. Damit bleiben Krankenhäuser jederzeit handlungsfähig und können ihren individuellen Anforderungen gerecht werden. Automatisierung bedeutet nicht Kontrollverlust, sondern eine intelligente Steuerung wiederkehrender Prozesse.
Warum wird das Thema Interoperabilität häufig als Schlüsselfaktor für die ePA genannt?
Hoffs: Weil Krankenhäuser heute mit einer Vielzahl von Systemen arbeiten. Daten liegen im KIS, im Archiv, im DMS oder in Fachanwendungen. Wenn jede Anwendung ihre eigene ePA-Anbindung benötigt, entsteht schnell ein kaum beherrschbarer Integrationsaufwand. Deshalb gewinnen Standards wie FHIR® zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen eine einheitliche Kommunikation zwischen den Systemen und schaffen eine Grundlage für nachhaltige Digitalisierung.

Wenn jede Anwendung ihre eigene ePA-Anbindung benötigt, entsteht schnell ein kaum beherrschbarer Integrationsaufwand.

Sebastian Hoffs
Warum setzen Sie bei der Anbindung auf FHIR®?
Hoffs: FHIR® entwickelt sich zunehmend zum Standard für den Datenaustausch im Gesundheitswesen. Unser Ansatz besteht darin, eine zentrale Schnittstelle bereitzustellen, die auf FHIR® basiert und unterschiedlichste Systeme anbinden kann. Dadurch müssen Kliniken nicht für jedes Primärsystem eine eigene ePA-Anbindung betreiben. Stattdessen entsteht eine zentrale Kommunikationsschicht, die den Integrationsaufwand deutlich reduziert.
Wie wichtig ist dabei die Herstellerunabhängigkeit?
Hoffs: Aus meiner Sicht ist das ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Krankenhauslandschaften sind heute sehr heterogen. Deshalb darf eine ePA-Anbindung nicht von einem einzelnen Archiv-, Dokumentenmanagement- oder KIS-System abhängig sein. Unsere ePA-Bridge wurde bewusst herstellerunabhängig entwickelt. Jedes System, das die dokumentierten Schnittstellen nutzen kann, lässt sich anbinden.
Welche Auswirkungen hat die ePA auf die strategische Ausrichtung von Krankenhäusern?
Hoffs: Die ePA ist aus meiner Sicht nur ein Teil einer größeren Entwicklung. Gesundheitsdaten sollen künftig nicht nur gespeichert, sondern sektorenübergreifend nutzbar gemacht werden. Wer heute die Voraussetzungen für strukturierte und interoperable Daten schafft, legt gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Anforderungen – etwa im Zusammenhang mit dem European Health Data Space, neuen Versorgungsmodellen oder datenbasierten Anwendungen.
Worauf sollten Entscheider in den kommenden Jahren besonders achten?
Hoffs: Die ePA sollte nicht als einzelne regulatorische Pflicht betrachtet werden. Wer heute eine tragfähige Datenarchitektur aufbaut, schafft gleichzeitig die Grundlage für viele weitere Digitalisierungsprojekte. Die eigentliche strategische Frage lautet daher nicht: „Wie erfülle ich die ePA-Pflicht?“, sondern: „Wie schaffe ich eine souveräne und interoperable Datenbasis?“

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