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02.03.2026 | Simone Heckmann

Wie FHIR® und KI Versorgungsintelligenz möglich machen

Datensilos aufbrechen

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„Ohne Zugriff und Interoperabilität bleiben selbst die besten Algorithmen wirkungslos. Die Lösung heißt in diesem Fall Pragmatismus statt Perfektion. Erst müssen Daten zugänglich sein, 
dann folgt die Strukturierung dort, wo sie echten Mehrwert bringt. Es geht darum, schnell Zugang zu schaffen, nicht darum, auf den Idealzustand zu warten.“

Simone Heckmann
Simone Heckmann
Geschäftsführerin | CEO Gefyra GmbH
In der Gesundheitsversorgung gibt es ein hartnäckiges Problem: Krankenhäuser und Kliniken erzeugen enorme Datenmengen und legen diese fein säuberlich isoliert in unterschiedlichen Systemen ab – den berüchtigten Datensilos. Das bremst den Informationsfluss und verhindert, dass Wissen über Versorgungsgrenzen hinweg genutzt werden kann. Für echte Versorgungsintelligenz braucht es zwei Dinge: Daten müssen zunächst zugänglich und dann so strukturiert sein, dass moderne Technologien damit arbeiten können – allen voran Künstliche Intelligenz. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei HL7® FHIR®: ein Standard, der Datensilos öffnet und die Brücke zu KI-gestützten Anwendungen schlägt.
Doch was bedeutet „Versorgungsintelligenz“ – und warum ist sie entscheidend? Im Kern geht es darum, Daten aus Kliniken, ambulanter Versorgung oder Pflege so zu vernetzen und auszuwerten, dass Prozesse besser laufen, Risiken früher erkannt oder personalisierte Ansätze möglich werden. Doch so einfach wie es klingt, ist der Prozess oft nicht. Die Daten sind zwar vorhanden, doch vernetzen oder auswerten lassen sie sich nicht. Sie stecken in isolierten Systemen, blockiert durch unterschiedliche Formate oder inkompatible Standards. Ohne Zugriff bleiben selbst die besten Algorithmen wirkungslos. Die Lösung heißt Pragmatismus statt Perfektion: Erst müssen Daten zugänglich sein, dann folgt die Strukturierung dort, wo sie echten Mehrwert bringt. HL7® FHIR® unterstützt genau diesen Ansatz. Und das „F“ im Namen verrät die Richtung: „Fast“. Es geht zunächst darum, den Zugang zu schaffen – nicht auf den Idealzustand zu warten.

FHIR® öffnet Türen, KI nutzt den Raum

FHIR® steht für „Fast Healthcare Interoperability Resources“ – ein Standard, der den Austausch von Gesundheitsdaten über Systemgrenzen hinweg ermöglicht. Ziel: Daten schnell verfügbar machen und Interoperabilität schaffen, egal ob strukturiert oder unstrukturiert. Eine perfekte Kodierung ist zunächst kein Muss. Danach lohnt sich die gezielte Aufbereitung dort, wo sie echten Mehrwert bringt, etwa bei Diagnosen oder Medikationen. Genau hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel. Sie eröffnet Chancen – von der automatisierten Auswertung medizinischer Texte über Prognosen zu Therapieergebnissen bis hin zur Unterstützung klinischer Entscheidungen. KI kann also semantische Analysen, Prognosen und Entscheidungsunterstützung leisten – aber sie braucht eine stabile Basis. Ohne Standardisierung bliebe es bei mühseligen Insellösungen. FHIR® bleibt als Standard der verbindende Rahmen, den KI nutzt, aber nicht verdrängt.

FHIR® schafft die Basis, indem es Informationen aus Klinikarchiven, Praxen und Pflegedokumentationen in einem gemeinsamen Format greifbar macht. KI verwandelt Freitext in nutzbare Erkenntnisse: Sie analysiert, klassifiziert und reichert Daten an – dort, wo es sinnvoll ist und Aufwand und Nutzen im richtigen Verhältnis stehen.

Fahrplan: Schritt für Schritt zur Versorgungsintelligenz 

Die Wegweiser für den zu beschreitenden Pfad sind also aufgestellt.  Doch wie gelangen Krankenhäuser und Kliniken dorthin? Aus dem Diskurs rund um FHIR® und KI lassen sich Handlungsschritte ableiten, um Datensilos zu öffnen und Versorgungsintelligenz aufzubauen:
 
Inventur der Datensysteme: 
Welche Datenbestände gibt es in Klinik, Praxis, Pflege und Monitoring? Welche Systeme und Zugriffsrechte bestehen?

Zugänglichkeit schaffen: 
Daten über FHIR®-Schnittstellen verfügbar machen – auch unkodierte Informationen sind ein Anfang.

Pilotprojekte starten: 
Kleine, pragmatische Use Cases wie KI-gestützte Analyse von Befunden oder Entlassbriefen umsetzen.

Strukturierung gezielt einsetzen: 
Kodierungen dort vorantreiben, wo sie echten Mehrwert bringen – unterstützt durch KI.

Optimieren und skalieren: 
Erkenntnisse nutzen, Governance etablieren, Schnittstellen standardisieren und KI-Modelle ausrollen.

Impact messen: 
Die technische Umsetzung allein reicht nicht – entscheidend sind bessere Entscheidungen, schnellere Prozesse für mehr Effektivität und Effizienz für die Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Patientenversorgung.

Vom Datensilo zur lernenden Plattform – die Zukunft ist vernetzt

Die Kombination aus FHIR® und KI eröffnet spannende, wirtschaftlich sinnvolle Perspektiven, die positiv auf die Versorgung einzahlen. Analysen in Echtzeit machen Risiken früh sichtbar und Therapieverläufe transparent. Dokumente wie Entlassbriefe oder Pflegeberichte müssen nicht mehr mühsam manuell (v)erarbeitet werden – KI liest, versteht und bringt sie über FHIR® in ein interoperables Format. So entsteht die Basis für personalisierte Versorgung, bei der Daten aus allen Bereichen zusammenfließen und intelligente Empfehlungen den Blick auf Patientinnen und Patienten erweitern. Langfristig führt das zu lernenden Systemen, die Prozesse kontinuierlich verbessern.

Klar ist aber auch: Das alles gibt es nicht geschenkt. Damit der Wille zur Interoperabilität nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, braucht es klare Regeln und ökonomische Anreize, denn ohne Investitionssicherheit fehlt die Bereitschaft zur konsequenten Umsetzung. Dabei gilt es zu bedenken: Interoperabilität ist kein technisches Detail, sondern die strategische Grundlage für klinische Innovation. Wer FHIR® immer noch nur als rein syntaktischen Standard betrachtet, verkennt die Bedeutung der dahinterstehenden abfragebasierten Schnittstelle als Türöffner von datenbasierten Innovationen in der Gesundheitsversorgung.
Bildnachweise: DMI GmbH & Co. KG

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