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03.03.2026 | Michael Reiter

Die enormen Nutzenpotenziale der Digitalisierung heben

Daten spielen eine zentrale Rolle – und müssen hohen Anforderungen genügen

„Das Ziel von SmartHospital.NRW ist es, eine personalisierte, präzise und empathische Zukunftsmedizin zu ermöglichen.“

Dr. med. Anke Diehl

Sie ist Konsortialführerin des KI.NRW-Flagship-Projekts SmartHospital.NRW und Chief Transformation Officer an der Universitätsmedizin Essen: Dr. med. Anke Diehl. Wir sprachen mit der Expertin über den Stellenwert von Daten in der durch KI ermöglichten neuen Welt der Gesundheitsversorgung.

Wo sehen Sie denn den Nutzen der Digitalisierung?

Dr. med. Anke Diehl: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) bringen zum Beispiel Vorteile in der Verwaltung, etwa bei Geschäftsprozessen. In Zeiten überbordender Bürokratie kann hier Technologie an vielen Stellen helfen, den Aufwand zu verringern – etwa bei der Arztbriefschreibung, bei der Ressourcenplanung und bei der Abrechnung. Ein Feld, in dem digitale Tools bereits seit Längerem Nutzen bieten, ist die Diagnostik. Sei es bei der Bildgebung, in Labor oder Pathologie – auf Mustererkennung und inzwischen auch auf Deep-Learning-Basis sind Lösungen zahlreich im Einsatz. Die Therapiestellung und auch die Verlaufskontrolle stellen weitere Verwendungsgebiete dar: Therapien lassen sich heute zielgerichteter und besser gesteuert managen. Nicht zu vergessen: Auch in der Prävention entstehen vielversprechende Angebote, die helfen, eine Disposition, beispielsweise für Diabetes oder onkologische Erkrankungen, früh zu erkennen und Akutsituationen zu vermeiden.
Welche Rolle spielen Gesundheitsdaten – insbesondere im Kontext von KI?

Diehl: Ihre Rolle ist zentral! Vertrauenswürdige, valide, annotierte Daten bilden die Voraussetzung dafür, dass KI-basierte Lösungen ihre Nutzenversprechen einlösen können. Hierbei geht es einerseits um Daten für das Trainieren von KI – und andererseits um Daten für deren Nutzung. Integrität und standardbasierte Interoperabilität sind hier essenzielle Eigenschaften.

Wenn wir für das Trainieren immer nur Daten aus anderen Ländern kaufen, haben wir ein Problem im Hinblick auf „Trust“, auf Vertrauenswürdigkeit. Als Uniklinik haben wir in Essen selbst hervorragende Daten. Wir kennen ihre Qualität und können mit ihnen unsere eigenen Systeme trainieren. Monomodale Quellen wie in der Bildgebung – mit weltweiter Verbreitung von DICOM – sind hier leichter zu managen als multimodale Settings – unter Einbindung von Labor, PROMs und Bildgebung. Woher kommen die Daten, welche Endpunkte hinsichtlich Diagnose und Therapie stellen sie dar, gibt es eine „Ground Truth“ für eine medizinische Interpretation, welches Bild liefern die Daten longitudinal im Patientenschicksal? All dies ist wichtig für das Trainieren einer erfolgreichen KI.
Und: Auch die Nutzungsdaten beim Einsatz von KI-Lösungen für klinische Entscheidungen müssen valide sein. In Essen halten wir diese anonymisierten Daten nach außen abgeschirmt vor und können gleichzeitig einen Fallbezug herstellen. Allerdings ist dieser Fallbezug nur für die internen Daten verfügbar, da wir auf sektorübergreifende Daten weder in der gewünschten Granularität noch in einem „Secure processing environment“ aufgrund ihrer verteilten Archivierung zugreifen können.

Wer profitiert von Technologie auf Basis datenbasierter Technologie?

Diehl: Alle an der Versorgung Beteiligten! Patient:innen erhalten personalisierte Medizin mit weniger Leid und besseren Outcomes. Mitarbeitende erleben Erfolg und verringerte Bürokratie. Das Management freut sich über Wirtschaftlichkeit und unsere Gesellschaft schafft den Wandel weg von der teuren Gießkannenmedizin.
Bildnachweise: O. Hartmann

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