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20.08.2026

Resilient, Wirtschaftlich, Gestaltungsstark

Interview mit Katrin Weinhold, Direktorin IT, AMEOS Gruppe

„Datensouveränität bedeutet für uns, dass wir die Kontrolle über die von uns verantworteten Daten behalten. Wir bestimmen, wer darauf zugreifen darf, und stellen sicher, dass die Daten aus den unterschiedlichen Systemen strukturiert verfügbar und übertragbar bleiben. Auf dieser Basis entscheiden wir, welche Applikationen wir anbinden.“

Katrin Weinhold
Direktorin IT, AMEOS Gruppe

Dass Datensouveränität die entscheidende Basis für digitale Souveränität und damit eine souveräne Gesundheitsversorgung ist, stellt kaum ein Entscheider, kaum eine Entscheiderin im Gesundheitswesen noch in Frage. Der Weg, Datensouveränität zu erreichen, ist jedoch sehr individuell. Die Rubrik „Aus der Praxis“ soll Anregungen geben und zeigen, was in anderen Häusern gut funktioniert und dass sowohl die große strategische Zielsetzung als auch kleinschrittige Veränderungen dem übergeordneten Ziel der Datensouveränität dienlich sein können.
Die AMEOS Gruppe arbeitet seit vielen Jahren an ihrer Datensouveränität und liefert damit eine Art Blaupause, welche Stellschrauben entscheidend sind und welche Schritte logisch aufeinander aufbauend zum Ziel führen. Katrin Weinhold, Direktorin IT der AMEOS Gruppe, unterstreicht jedoch, dass für Datensouveränität als strategischer Erfolgsfaktor von Krankenhäusern zunächst die Basis stimmen muss – und nicht auf die lange Bank geschoben werden darf: „Um Datensouveränität muss man sich spätestens heute kümmern.“
Warum sich Katrin Weinhold, sie selbst ist seit 2016 bei AMEOS, und auch Gründer und CEO Dr. Axel Paeger schon viel länger mit Datensouveränität beschäftigen, liegt in der Historie der Gruppe begründet, die europaweit tätig und vor allem anorganisch gewachsen ist. Derartiges Wachstum stellt gerade die IT immer wieder vor Herausforderungen. Oder wie Weinhold sagt: „Gefühlt haben wir jede Anwendung, die es in Deutschland gibt, auch durch mindestens eines unserer Häuser im Portfolio.“ So hat AMEOS auch Erfahrungen mit KIS-Lösungen gesammelt, deren Weiterentwicklung nicht dauerhaft auf die Anforderungen des deutschen Gesundheitswesens ausgerichtet war. 

Für uns ist deshalb wichtig, Daten und Schnittstellen unabhängig von der Produktstrategie einzelner Hersteller nutzen zu können“.

Katrin Weinhold
Es sind also ganz praktische Erfahrungen und deren Auswirkungen, die bei AMEOS dazu geführt haben, den Wert von Daten und ihrer souveränen, vertrauenswürdigen und interoperablen Nutzung zu erkennen. 
Interoperabilität und Archivierung spielen bei AMEOS seit 2012 eine wichtige Rolle – ebenso wie die DMI GROUP als Dienstleister. 2018 fiel dann der Startschuss für den Piloten einer Interoperabilitätsplattform, kurz IOP. Ein Jahr zuvor hatte die AMEOS Gruppe ihre Digitalisierungsstrategie veröffentlicht. Einer der aus Weinholds Sicht richtigen und wichtigen Schritte damals war die Entscheidung für Managed Services.
Um die IOP aufzubauen hat AMEOS zunächst auf den Archivar 4.0 von DMI gesetzt. Den Anfang haben die AMEOS Klinika in Hameln und Haldensleben gemacht, erinnert sich Weinhold. Anschließend wurde ein Proof of Concept entwickelt.
„Beglückt“ habe die AMEOS Gruppe dann das KHZG – wie viele andere Häuser auch, geht Weinhold die Chronologie auf dem Weg zur Datensouveränität durch: „Mit dem KHZG-Turbo haben wir den Archivar 4.0 weiter ausgebaut. Denn mit SAP i.s.h.med setzen wir ein KIS ein, dessen angekündigte Abkündigung uns vor eine große Transformation stellt. Unsere Integrationsarchitektur gibt uns dabei den notwendigen Handlungsspielraum, Systeme schrittweise zu ersetzen und die Daten unabhängig von einzelnen Anwendungen weiter zu nutzen.“ 

Auch deshalb habe man die Datenhaltung zentralisiert, erklärt Weinhold: 

„Wir setzen insgesamt auf mehrere Rechenzentren. Für unsere IOP sind wir beispielsweise im Rechenzentrum von DMI unterwegs, unsere eigenen Rechenzentrumsleistungen haben wir bei einem anderen Dienstleister als Managed Service. Die setzen wir dort ein, wo standardisierte Leistungen, Skalierbarkeit und klar geregelte Betriebsverantwortung wirtschaftlich sinnvoll sind. Die Verantwortung für Architektur, Informationssicherheit und strategische Steuerung verbleibt bei AMEOS.“

Katrin Weinhold
Ein weiterer Schritt in Richtung Datensouveränität war dann die Altdatenmigration – ein insgesamt spannendes Projekt, wie Weinhold attestiert „Auch wir haben Datensilos in älteren Systemen. Diese Systeme sind häufig technisch fragil, teuer im Betrieb und nur noch eingeschränkt wartbar. Deshalb migrieren wir die relevanten Daten kontrolliert in die IOP und nehmen die Altsysteme anschließend geordnet außer Betrieb.“ Durch die Migration stehen die relevanten Daten langfristig und unabhängig von den Altsystemen zur Verfügung. „Davon getrennt betrachten wir die Hochverfügbarkeit der Integrationsplattform. Der Kommunikationsserver verbindet die unterschiedlichen Systeme und ist deshalb redundant mit einem Failover-Konzept ausgelegt“, führt die Direktorin IT weiter aus.  Im Fall von AMEOS ist das der Infor™ Cloverleaf® der DMI-GROUP-Tochter Health-Comm, der zum Bindeglied zwischen den Systemen wird und für Interoperabilität sorgt.
Und hier zeigen sich dann auch die drei Ebenen TRUST, CONNECT, APPLY von XQT in der realen Anwendung. Die Basis bildet das qualified Trust Repository (qTR) von DMI (TRUST), welches wiederum ergänzt wird durch die Ebene CONNECT mit dem Infor™ Cloverleaf® von Health-Comm sowie dem AVP Infinity von DMI. „Oben andockend sind dann alle unsere weiteren Systeme, die wir haben, vom KIS, LIS, RIS, PACS bis hin zu ersten KI-Komponenten für Befundungen“, erklärt die IT-Chefin der AMEOS. Auch die Applikationen, die für die regulatorischen Rahmenbedingungen nötig seien, wie das Patientenportal, die Telematik-Infrastruktur oder die MD-Kommunikation würden hier andocken.
„Das wirklich Spannende ist, dass wir all diese Projekte gemeinsam mit der DMI GROUP zu einer Zeit aufgebaut haben, in der es XQT in der heutigen Form noch gar nicht gab“, sagt Weinhold. „Und doch sieht man sehr genau, dass wir die Ebenen TRUST, CONNECT, APPLY über unsere Plattform identisch abbilden.“
Auf die Frage, was Datensouveränität nach diesen vielen Jahren und Projekten konkret bedeutet, hat Katrin Weinhold sofort eine Antwort parat: 

„Datensouveränität bedeutet für uns, dass wir die Kontrolle über die von uns verantworteten Daten behalten. Wir bestimmen, wer darauf zugreifen darf, und stellen sicher, dass die Daten aus den unterschiedlichen Systemen strukturiert verfügbar und übertragbar bleiben. Auf dieser Basis entscheiden wir, welche Applikationen wir anbinden.“

Katrin Weinhold
Denn auch das ist für die IT-Expertin klar: „Ich sehe die Zukunft nicht in einem einzigen großen monolithischen System. Medizinische Anforderungen, regulatorische Vorgaben und neue KI-Anwendungen verändern sich dafür zu schnell. Wir brauchen eine modulare Architektur, 
in der Anwendungen kontrolliert ausgetauscht werden können, ohne dass Daten, Prozesse oder Versorgungssicherheit von einem einzelnen Hersteller abhängen.“
Bildnachweise: René Jungnickel

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