Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte, wie bekommen wir Know-how und Handwerkszeug in die Kliniken?
Aus meiner Sicht muss es jetzt gelingen, eine ausgewiesene Daten- und Prozesskompetenz in die Häuser zu bekommen. Denn die finden wir heute auch in den IT-Abteilungen noch viel zu selten. Ich hatte vor einigen Tagen ein Gespräch geführt, aus dem schnell ersichtlich wurde, dass es weder zur Kernkompetenz des Geschäftsführers noch des IT-Leiters gehört, die im Krankenhaus vorhandenen Daten zu nutzen, geschweige denn in konkrete Lösungen zu übersetzen. Konsens war nur, dass die Daten da sind und bisher nicht genutzt werden. Welchen Mehrwert diese Daten haben können und welchen Aufwand ich für die Verfügbarmachung investieren muss, war jedoch höchst umstritten. Weit vorn sind hingegen die Häuser – und die gibt es heute schon –, die über einen medizinischen Prozessmanager verfügen. Wenn diese Personen dann noch eine Digitalaffinität mitbringen, eröffnen sich spannende Perspektiven – nämlich dort, wo die medizinische Entscheidungsfindung mit konkreten Datenpunkten verbunden werden kann
Weil darüber eine andere Logik in dasManagement eines Krankenhauses kommt?
Ganz genau. Wie nutze ich beispielsweise die Gerätedaten, um festzustellen, wie ich meine Liegezeit optimieren kann? Wenn ich nämlich Entlass-CTs in der Prozessorganisation systematisch depriorisiere, weil stattdessen Akut-CTs vorrangig durchgeführt werden, muss ich mich nicht wundern, dass ich bei Liegezeiten keine Verbesserungen erreiche. Genau das kann man mit den vielen vorhandenen Datenpunkten ganz wunderbar transparent machen. Fakt ist aber auch, dass genau diese Aspekte heute in der Steuerungslogik nicht ausreichend stattfinden oder sich auf Erfahrungswissen oder Erzählungen beschränken.